Start Magazin Menschen + Architektur Hans Bellmann: Von einem der auszog, das Bauen zu lernen…

Hans Bellmann: Von einem der auszog, das Bauen zu lernen…

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1702/katalog-horgenglarus-hans-bellmann.jpg

Mit Mitte 30 hatte er bereits zwei Weltkriege erlebt: Hans Bellmann lebte in einer extremen Zeit. Beeinflusst durch sein Studium am Bauhaus und die Zusammenarbeit mit Mies van der Rohe versinnbildlichen seine Entwürfe das Lebensgefühl der Nachkriegszeit – eine Zeit des Aufbruchs, der Ressourcenknappheit und wachsender Mobilität. Denkt man heutzutage an Schweizer Designer der 50er und 60er Jahre ist Bellmann sicherlich nicht der erste, der einem in den Sinn kommt und doch ist er unbestritten einer der Wegbereiter der klassischen Moderne.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1702/hans-bellmann-stapeltischchen.jpg

Hans Georg Bellmann wird 1911 in Turgi, Schweiz, geboren und wächst im Kanton Aargau auf. Seine Mutter stammt aus dem bayrischen Augsburg, sein Vater ist ein Dresdner Galvaniseur. Nach seiner Bauzeichnerlehre bei Architekt Bölsterli im Schweizerischen Baden zieht Bellmann 1931 nach Dessau um am Staatlichen Bauhaus zu studieren. Begegnungen mit Wassily Kandinsky, Lilly Reich, Alfred Arndt und Hinnerk Scheper beeinflussten Bellmann und sein Schaffen nachhaltig. Nach nur fünf Semestern erhält er das Bauhaus-Diplom Nr. 115, eines der letzten Diplome vor der Schliessung des Bauhaus, unterschrieben von Ludwig Mies van der Rohe und Ludwig Hilberseimer.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1702/hans-bellmann-ga-stuhl.jpg

Anschliessend arbeitet Bellmann als Architekt im Atelier von Mies van der Rohe in Berlin, kehrt aber aufgrund der politischen Verhältnisse bereits 1934 wieder zurück in die Schweiz. Aus Protest gegen das nationalsozialistische Regime gibt Bellmann 1936 seinen deutschen Pass ab und wird zwei Wochen vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in die Schweiz eingebürgert. Bellmann arbeitet bei einigen renommierten Architekten seiner Zeit, darunter Leopold Boedecker, Rino Tami, Hans Brechbühler und Alfred Roth. Bei Boedecker arbeitet er unter anderem am PTT-Pavillon und am Pavillon des Strassenverkehrs und der Post für die Schweizerische Landesausstellung 1939 in Zürich mit. In seinem eigenen, 1946 gegründeten Atelier entwirft Bellmann Möbel und Produkte für viele namhafte Unternehmen, darunter das Spannstützengestell, den Kolonialtisch oder den einpunktstuhl. Seine Entwürfe zeichnen sich stets durch eine absolute Ökonomie der eingesetzten Mittel und klare, schnörkellose Formen aus.

Als Formberater ist Bellmann für unterschiedliche Unternehmen tätig, etwa den Küchenhersteller Therma. Für die visionäre Schau »Kunst und Wohnkultur« im Kunsthaus Luzern richtet Bellmann 1951 den Oberlichtsaal mit zeitgenössischen Möbeln ein. Das Haus am Greifensee ist das erste, in den 50er Jahren realisierte Architekturprojekt Bellmanns. Bis heute ist es bewohnt und wurde nie renoviert. Ein sehr eigenständiger Entwurf mit einer einzigartigen Raumaufteilung: Kinderzimmer, Büro und Schlafzimmer sind in einer offenen Galerie zusammengefasst. Für die Expo 1964 in Lausanne entwirft Bellmann ein neues Schweizer Telefon.

http://www.architekturzeitung.com/azbilder/2017/1702/hans-bellmann-ateliertisch.jpg

Bellmann nimmt verschiedene Lehrtätigkeiten in der Schweiz, den USA und Deutschland wahr. Im Jahr 1953 beruft ihn Max Bill als Gastdozent an die Hochschule für Gestaltung nach Ulm. Dort trifft er seinen Bauhaus-Meister Josef Albers wieder, der sein Freund bleibt bis ins hohe Alter. Mit ihm tauscht er sich über Kunst und Gestaltung aus, aber auch über das gerade entstehende Bauhaus-Archiv und dessen Bedeutung. Bellmann arbeitet an diversen Umbauten mit und an einer Wohnsiedlung in Muri im Kanton Aargau. In den 80er Jahren reist er auf Einladung von Antony H.P. Wong, ein ehemaliger Student Bellmanns, nach Hongkong und arbeitet in dessen Architekturbüro mit. Er nutzt die Gelegenheit und besucht auch Shanghai, Xian und die chinesische Mauer. Hans Bellmann stirbt am 26. Oktober 1990 im Alter von 79 Jahren in Wiggwil.

Bellmann war geprägt von den Umständen seiner Zeit und zeigte grosse Neugier und Interesse am Ausprobieren neuer Materialien, Technologien und Fertigungstechniken. Mit seinem Wirken in der Schweizer Industrie und Architektur und nicht zuletzt durch seine Lehrtätigkeiten an verschiedenen Hochschulen in der Schweiz, den USA und Deutschland hat Hans Bellmann die Schweizer Wohnkultur und die industrielle Gestaltung der Nachkriegszeit massgeblich beeinflusst. Der Schweizerische Werkbund honorierte diese Leistung mit einem Dutzend Auszeichnungen »Die Gute Form«.

Bilder: horgenglarus

Eine Fassade aus Null und Eins am King Abdulaziz Center von Snøhetta

Eine Fassade aus Null und Eins am King Abdulaziz Center von Snøhetta

Für das außergewöhnliche Projekt King Abdulaziz Center for World Culture im Herzen der saudi-arabischen Ölfelder setzte der Glasfassadenspezialist seele den Entwurf des Architekturbüros Snøhetta in eine Fassade komplett aus Edelstahlrohren um. Nur durch die Verzahnung von modernsten Informationstech...

Schweizer Botschaft in Nairobi von ro.ma. Architekten

Schweizer Botschaft in Nairobi von ro.ma. Architekten

Die neue Schweizer Botschaft in der Hauptstadt Kenias bettet sich sanft in die Terrainlandschaft ein. Umfassungsmauer und Baukörper verschmelzen zu einem einheitlichen architektonischen Gebilde, das über hohe räumliche, funktionale und nachhaltige Qualitäten, über repräsentativ und zurückhaltend ges...

Hotel Domizil von DIA – Dittel Architekten

Hotel Domizil von DIA – Dittel Architekten

Das Tübinger Hotel Domizil wird von DIA – Dittel Architekten neu gestaltet und saniert. Im Fokus steht eine authentische, moderne Designsprache sowie die Neustrukturierung des Eingangs- und Restaurantbereichs.

Weitere Artikel:

Gebäudeschutz durch fachgerechte Gebäudedränung

Gebäudeschutz durch fachgerechte Gebäudedränung

Die Gebäudehülle ist permanent und über die gesamte Nutzungsdauer zahlreichen Belastungen ausgesetzt; im Bereich von erdberührten Bauteilen ist hier vor allem das Wasser zu nennen.

Siemens Konzernzentrale: Showroom für moderne Glastechnologie

Siemens Konzernzentrale: Showroom für moderne Glastechnologie

Für die Glasfassade des nachhaltigen Leuchtturmprojektes in München wurden 7.000 Quadratmeter UNIGLAS SUN Isolierglaseinheiten mit Super Spacer Abstandhalter sowie 1.000 Quadratmeter Spezialgläser geliefert. Am Ende kamen 103 verschiedene Glasaufbauten und 900 unterschiedliche Glasformate zusammen, ...

Entkalkung eines Dusch-WC

Entkalkung eines Dusch-WC

In Deutschland liegt die Wasserhärte aufgrund des erhöhten Kalkgehalts durchschnittlich im harten Bereich. Daher müssen Dusch-WCs genauso wie andere Haushaltsgeräte einer regelmäßigen Entkalkung unterzogen werden.

Weitere Artikel:
Anzeige AZ-C1-300x250 R7

AZ Newsletter

Ihre E-Mail
 Anmelden  Abmelden

Senden Sie mir den Newsletter der AZ/Architekturzeitung zu. Ich bin damit einverstanden, den Newsletter zu erhalten und weiß, dass ich mich jederzeit problemlos wieder abmelden kann. Der Newsletter kann bei Bedarf Werbung von Dritten enthalten.

Fachwissen | Architekten + Planer

Gebäudeschutz durch fachgerechte Gebäudedränung

Gebäudeschutz durch fachgerechte Gebäudedränung

Die Gebäudehülle ist permanent und über die gesamte Nutzungsdauer zahlreichen Belastungen ausgesetzt; im Bereich von erdberührten Bauteilen ist hier vor allem das Wasser ...

Entkalkung eines Dusch-WC

Entkalkung eines Dusch-WC

In Deutschland liegt die Wasserhärte aufgrund des erhöhten Kalkgehalts durchschnittlich im harten Bereich. Daher müssen Dusch-WCs genauso wie andere Haushaltsgeräte einer...

Siemens Konzernzentrale: Showroom für moderne Glastechnologie

Siemens Konzernzentrale: Showroom für moderne Glastechnologie

Für die Glasfassade des nachhaltigen Leuchtturmprojektes in München wurden 7.000 Quadratmeter UNIGLAS SUN Isolierglaseinheiten mit Super Spacer Abstandhalter sowie 1.000 ...

Dezentrale Lüftungsanlage im Einfamilienhaus

Dezentrale Lüftungsanlage im Einfamilienhaus

Das eigene Haus zu planen und zu bauen bringt viele Entscheidungen mit sich. Familie Lorenz hat ihr Projekt vollendet und genießt nun den Komfort ihres Eigenheims. Als Ar...

Universitätsneubau an geschichtsträchtigem Ort von Erick van Egeraat

Universitätsneubau an geschichtsträchtigem Ort von Erick van Egeraat

Am Augustusplatz in Leipzig wurde im Dezember 2017 ein architektonisch herausragender Gebäudekomplex fertiggestellt. Er setzt sich aus dem Neuen Paulinum (Aula und Univer...

Künstlerische Neugestaltung der Pfarrkirche St. Dionysius in Elsen

Künstlerische Neugestaltung der Pfarrkirche St. Dionysius in Elsen

Zeitgemäße Neuausmalung oder Konservierung des Bestands? Vor dieser Entscheidung stand die Gemeinde der römisch-katholischen Pfarrkirche St. Dionysius in Elsen, einem Sta...

Neuer Service für Architekten: Coating on Demand

Neuer Service für Architekten: Coating on Demand

Mit dem neuen Service »Coating on Demand« (CoD) ermöglicht AGC Interpane Architekten jetzt die Entwicklung einzigartiger Verglasungen, die exakt auf die Anforderungen von...

Hightech-Glamour

Hightech-Glamour

Die Alucobond-Oberflächenserie »Anodized Look« setzen Architekten gerne dort ein, wo dauerhaft metallisch schimmernde Fassaden gewünscht sind. Die Aluminiumverbundplatten...

Flachdach-Ausstieg

Flachdach-Ausstieg

Seit Februar ist der neue Flachdach-Ausstieg »DRL« von FAKRO auf dem Markt. Dieser ermöglicht den Zugang zum Flachdach über das Dachgeschoss. Die Bedienung des Ausstiegs ...

Elegant und minimalistisch

Elegant und minimalistisch

Die Fassade und das Dach eines Hauses im südkoreanischen Sokcho wurden mit
einem ein Solid-Surface-Material verkleidet. Im Dialog mit der Natur verändert das Gebäude sein ...

Weitere Artikel:


Anzeigen AZ-D1-300x600 R7

Wenn Sie die AZ/Architekturzeitung lesen, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies verwenden. Datenschutzhinweis.

Dieses Fenster entfernen.