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Start Magazin Menschen + Architektur Hans Bellmann: Von einem der auszog, das Bauen zu lernen…

Hans Bellmann: Von einem der auszog, das Bauen zu lernen…

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Mit Mitte 30 hatte er bereits zwei Weltkriege erlebt: Hans Bellmann lebte in einer extremen Zeit. Beeinflusst durch sein Studium am Bauhaus und die Zusammenarbeit mit Mies van der Rohe versinnbildlichen seine Entwürfe das Lebensgefühl der Nachkriegszeit – eine Zeit des Aufbruchs, der Ressourcenknappheit und wachsender Mobilität. Denkt man heutzutage an Schweizer Designer der 50er und 60er Jahre ist Bellmann sicherlich nicht der erste, der einem in den Sinn kommt und doch ist er unbestritten einer der Wegbereiter der klassischen Moderne.

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Hans Georg Bellmann wird 1911 in Turgi, Schweiz, geboren und wächst im Kanton Aargau auf. Seine Mutter stammt aus dem bayrischen Augsburg, sein Vater ist ein Dresdner Galvaniseur. Nach seiner Bauzeichnerlehre bei Architekt Bölsterli im Schweizerischen Baden zieht Bellmann 1931 nach Dessau um am Staatlichen Bauhaus zu studieren. Begegnungen mit Wassily Kandinsky, Lilly Reich, Alfred Arndt und Hinnerk Scheper beeinflussten Bellmann und sein Schaffen nachhaltig. Nach nur fünf Semestern erhält er das Bauhaus-Diplom Nr. 115, eines der letzten Diplome vor der Schliessung des Bauhaus, unterschrieben von Ludwig Mies van der Rohe und Ludwig Hilberseimer.

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Anschliessend arbeitet Bellmann als Architekt im Atelier von Mies van der Rohe in Berlin, kehrt aber aufgrund der politischen Verhältnisse bereits 1934 wieder zurück in die Schweiz. Aus Protest gegen das nationalsozialistische Regime gibt Bellmann 1936 seinen deutschen Pass ab und wird zwei Wochen vor dem Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in die Schweiz eingebürgert. Bellmann arbeitet bei einigen renommierten Architekten seiner Zeit, darunter Leopold Boedecker, Rino Tami, Hans Brechbühler und Alfred Roth. Bei Boedecker arbeitet er unter anderem am PTT-Pavillon und am Pavillon des Strassenverkehrs und der Post für die Schweizerische Landesausstellung 1939 in Zürich mit. In seinem eigenen, 1946 gegründeten Atelier entwirft Bellmann Möbel und Produkte für viele namhafte Unternehmen, darunter das Spannstützengestell, den Kolonialtisch oder den einpunktstuhl. Seine Entwürfe zeichnen sich stets durch eine absolute Ökonomie der eingesetzten Mittel und klare, schnörkellose Formen aus.

Als Formberater ist Bellmann für unterschiedliche Unternehmen tätig, etwa den Küchenhersteller Therma. Für die visionäre Schau »Kunst und Wohnkultur« im Kunsthaus Luzern richtet Bellmann 1951 den Oberlichtsaal mit zeitgenössischen Möbeln ein. Das Haus am Greifensee ist das erste, in den 50er Jahren realisierte Architekturprojekt Bellmanns. Bis heute ist es bewohnt und wurde nie renoviert. Ein sehr eigenständiger Entwurf mit einer einzigartigen Raumaufteilung: Kinderzimmer, Büro und Schlafzimmer sind in einer offenen Galerie zusammengefasst. Für die Expo 1964 in Lausanne entwirft Bellmann ein neues Schweizer Telefon.

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Bellmann nimmt verschiedene Lehrtätigkeiten in der Schweiz, den USA und Deutschland wahr. Im Jahr 1953 beruft ihn Max Bill als Gastdozent an die Hochschule für Gestaltung nach Ulm. Dort trifft er seinen Bauhaus-Meister Josef Albers wieder, der sein Freund bleibt bis ins hohe Alter. Mit ihm tauscht er sich über Kunst und Gestaltung aus, aber auch über das gerade entstehende Bauhaus-Archiv und dessen Bedeutung. Bellmann arbeitet an diversen Umbauten mit und an einer Wohnsiedlung in Muri im Kanton Aargau. In den 80er Jahren reist er auf Einladung von Antony H.P. Wong, ein ehemaliger Student Bellmanns, nach Hongkong und arbeitet in dessen Architekturbüro mit. Er nutzt die Gelegenheit und besucht auch Shanghai, Xian und die chinesische Mauer. Hans Bellmann stirbt am 26. Oktober 1990 im Alter von 79 Jahren in Wiggwil.

Bellmann war geprägt von den Umständen seiner Zeit und zeigte grosse Neugier und Interesse am Ausprobieren neuer Materialien, Technologien und Fertigungstechniken. Mit seinem Wirken in der Schweizer Industrie und Architektur und nicht zuletzt durch seine Lehrtätigkeiten an verschiedenen Hochschulen in der Schweiz, den USA und Deutschland hat Hans Bellmann die Schweizer Wohnkultur und die industrielle Gestaltung der Nachkriegszeit massgeblich beeinflusst. Der Schweizerische Werkbund honorierte diese Leistung mit einem Dutzend Auszeichnungen »Die Gute Form«.

Bilder: horgenglarus

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