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Aug

Neubau des Finanzamtes Karlsruhe-Stadt von Wittfoht Architekten

Foto: Brigida González

Fassade

 

Ende Januar wurde der Neubau des Finanzamtes Karlsruhe-Stadt übergeben. Der Neubau mit einer Fassade aus Betonfertigteilen ergänzt das städtebauliche Gesamtensemble, das durch das denkmalgeschützte gründerzeitliche Gebäude der ehemaligen Parfümfabrik „Wolff und Sohn“ geprägt ist.

Das gestalterisch und funktional rationale Verwaltungsgebäude, entworfen vom Stuttgarter Büro Wittfoht Architekten BDA, bietet auf sechs Ober- und zwei Untergeschossen mit rund 5.700 Quadratmeter Nutzfläche Platz für 300 Arbeitsplätze sowie ein Kundenzentrum im Erdgeschoss. Realisiert wurde das Projekt vom Amt Karlsruhe des Landesbetriebs Vermögen und Bau Baden-Württemberg.

Konstruktiver und plastischer Baukörper

Prof. Jens Wittfoht nennt zwei wesentliche Aspekte, die im Rahmen der Aufgabenstellung des VOF-Wettbewerbsverfahrens von 2016 definiert waren und für die es Lösungen zu finden galt: Zunächst war dies die Entwicklung eines sowohl funktionalen wie auch möglichst flexiblen Raumprogramms, das neben klassischen Einzelbüros, in denen ein vertrauliches Arbeiten gewährleistet ist, auch Kombizonen und Großraumbereiche vorsieht. Darüber hinaus galt es, den Neubau städtebaulich in die Nachbarschaft einzubinden. Die Lage des Grundstücks in direkter Nachbarschaft zur typischen Blockrandbebauung der Karlsruher Oststadt und Gebäuden der ehemaligen Parfümfabrik Wolff und Sohn, in denen heute Teile des Polizeipräsidiums untergebracht sind, schaffte hier besondere Rahmenbedingungen. Mit der konstruktiven und plastischen Ausbildung des Baukörpers gelang es, einen in sich ruhenden Stadtbaustein zu entwickeln, der den städtischen Räumen folgt und einen klaren, baulichen Abschluss des Blockrandes bildet.

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Foto: Brigida González

Bis ins Detail perfekt

Für die Entscheidung, die Fassade des Gebäudes mit Betonfertigteilen zu gestalten, sprachen mehrere Argumente. „Zunächst einmal“, so erläutert Jens Wittfoht, „wollten wir eine rationale und stringente Fassade schaffen, deren Oberfläche, Struktur und Farbgebung möglichst den Vorstellungen entsprechen sollte, die wir mit dem Wettbewerbsentwurf entwickelt hatten: Eine rational und klar anmutende, möglichst präzise Fassade mit sauberen Fügungen. Denn ein solch stringentes Gebäude lebt davon, dass sämtliche Details sauber gearbeitet sind.“ Darüber hinaus sollte die Farbe der Fassade eine gewisse Wärme ausstahlen. „Und schließlich wollten wir“, so Wittfoht, „ein Gebäude schaffen, das einerseits zeitlos bleibt, das aber auch in Bezug auf Unterhalt und Wartung substanziell ist. Anders als Wärmedämmverbundsysteme, die in der Regel weder gut altern noch besonders nachhaltig sind, verfügen Gebäude aus Beton über eine sehr positive Halbwertszeit. Wenn es gut gemacht ist, altert das Material extrem gut und hält ewig.“

Mehr als 350 Betonfertigteile

Nach Auffassung des Büros, waren diese Anforderungen an die Präzision und Scharfkantigkeit der einzelnen Fensterelemente und insbesondere der Laibungen besonders gut mit Betonfertigteilen zu realisieren. Und so hatte man sich bereits frühzeitig mit dem Betonfertigteilhersteller Dreßler Bau GmbH aus Aschaffenburg zusammengesetzt, um zu prüfen, ob diese Anforderungen technisch und wie diese Anforderungen konstruktiv umgesetzt werden können. „Wir wollten“, so Wittfoht, „nicht etwas verlangen, was gar nicht geht.“ Auf Basis dieses Erfahrungsaustauschs wurde dann die Fassade mit mehr als 350 Betonfertigteilen detailliert durchgeplant. Die Außenschalen wie auch die tragenden Innenschalen wurden im Fertigteilwerk produziert und, mit einer inneren Dämmung versehen, als Sandwichteile zusammengefügt. Der Beton der Außenschalen wurde durchgehend eingefärbt. Zusätzlich wurden die Außenschalen gesandstrahlt, um der Oberfläche eine haptische Anmutung zu verleihen und ein möglichst gleichmäßiges Oberflächenbild zu garantieren. Die größten Fertigteile verfügten über Maße von bis zu 5,30 Meter Breite und 3,70 Meter Höhe und wogen über 11 Tonnen. Zur Effizienzsteigerung im Bauprozess wurden die Elemente im Vorlauf zur Betonage der Flachdecken montiert.

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Foto: KREBS+KIEFER Ingenieure


 

Im Inneren des Gebäudes wurden alle Decken als Sichtbetonoberflächen belassen. „Sie sehen“, so Wittfoht, „zwar etwas ruppig aus, weil wir sie nicht in Sichtbetonqualität ausgeschrieben hatten, aber gerade das finden wir insofern gut, als man hier auch die Arbeitsprozesse nachvollziehen kann.“ Die bauteilaktivierten Decken des Gebäudes, das über Passivhausqualität verfügt, werden darüber hinaus genutzt, um sommerliche Temperaturspitzen zu kappen. Auf dem begrünten Flachdach des Gebäudes wurde eine Photovoltaik-Anlage mit einer Fläche von 295 Quadratmetern errichtet. Die Photovoltaik-Anlage erzeugt im Durchschnitt annähernd 50.000 Kilowattstunden Strom pro Jahr, der hauptsächlich vom Finanzamt selbst genutzt wird.

Bautafel
Bauherr: Vermögen und Bau Baden-Württemberg, Amt Karlsruhe
Architekt: Wittfoht Architekten BDA, Stuttgart, wittfoht-architekten.com
Tragwerksplanung: KREBS+KIEFER Ingenieure GmbH, Karlsruhe
BGF: 10.300 m²
BRI: 32.800 m³
Planung: 04.2016 – 08.2017
Ausführung: 11.2017 – 12.2020


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