03
Okt

Fassadenplanung für den MOL Campus

Bildquelle: Foster + Partners

Fassade

 

Ihre Liebe zu Hochhäusern hat die weltweit renommierte Fassadenexpertin Agnes Koltay 2005 nach Dubai geführt, wo sie 2011 ihr eigenes Büro für Fassadenberatung gründete. Die Fassadenplanung für den MOL Campus im neuen Budapester Wohn- und Geschäftsviertels BudaPart brachte sie beruflich in ihr Heimatland Ungarn zurück. Wie bei anderen renommierten Projekten mit Freiformgeometrie war auch das Abstandhaltersystem Super Spacer aus dem Hause Edgetech/Quanex mit von der Partie. Koltay Façades spezifizierte den Abstandhalter aus flexiblem Silikonschaum für die komplexe Structural-Glazing-Fassade mit planen, einfach gebogenen sowie konvex und konkav gebogenen Scheiben.

Bildquelle: Foster + Partners
Bildquelle: Foster + Partners


Dank der Lage am Donauufer, der frei geformten Fassaden und des architektonischen Konzeptes könnte „alles bleibt im Fluss“ – „Panta Rhei“ – als Leitgedanke für das gesamte Gebäude stehen. Auf den ersten Blick bildet der 120 Meter hohe Tower mit dem öffentlich zugänglichen Dachgarten das herausragende Element der neuen MOL Firmenzentrale im Süden Budapests. Er ist das höchste Gebäude des Landes und könnte es nach dem 2018 verabschiedeten Hochhaus-Bann in der ungarischen Hauptstadt auch für lange Zeit bleiben. Die elegant aufwärts schwingende Fassade, die das 5-geschossige Podium, in dem Restaurants und Konferenzsäle untergebracht sind und den 29-geschossigen Turm zu einer Einheit verschmelzen lässt, ist jedoch das eigentliche architektonische Highlight des MOL Campus.

Architektur für die Arbeitswelt im 21. Jahrhundert

Dieser Entwurf des Londoner Büro Foster und Partners, der in Zusammenarbeit mit Finta Studio entstand, spiegelt die Veränderungen der Arbeitswelt im 21. Jahrhundert wider. Entwicklungen wie Remote-Arbeit, wechselnde Projektteams, Arbeitsplatzteilung und Anforderungen wie Kooperation versus Rückzugsräume fordern von modernen Bürogebäuden höchste Flexibilität über ihre gesamte Lebensdauer. Der Wechsel aus Arbeitsflächen und Gartenflächen vom Atrium bis zur Turmspitze des MOL Campus verbindet nicht nur die einzelnen Etagen, sondern auch die Menschen, und soll eine inspirierende und entspannende Atmosphäre schaffen. Tageslicht, frische Luft sowie die einzigartige Aussicht auf Budapest bringen nach Vorstellung der Architekten die Mitarbeitenden sowohl mit der Natur als auch mit ihrer urbanen Umgebung in Einklang. Die innerstädtische Lage macht es vielen von ihnen möglich, zur Arbeit zu laufen oder mit dem Fahrrad zu fahren.

mol campus edgetech 03
Bildquelle: Foster + Partners

Leuchtturmprojekt für Komfort und Nachhaltigkeit

Wie viele Konzerne durchläuft auch das ungarische Öl- und Erdgasunternehmen MOL einen nachhaltigen Transformationsprozess, um für die kohlenstoffarme Kreislaufwirtschaft gerüstet zu sein. Die neue Firmenzentrale mit einer Gesamtfläche von 86.000 m2 und einer Kapazität für 2.500 Arbeitsplätze fungiert in diesem Rahmen als Leuchtturmprojekt, das BREEAM Excellent und LEED Platinum zertifiziert werden soll. Das komplette Heiz- und Kühlsystem wird mit erneuerbaren Energien betrieben – darunter Photovoltaik sowie ein Erdwärmesystem mit einer Gesamtbohrlänge von 32.800 m. Regenwasser wird aufgefangen und kann für die Bewässerung der Pflanzen sowie die Toilettenspülung genutzt werden.

Die Aluminium-Glasfassade setzt sich aus 24.800 m2 Elementfassade sowie 1.700 m2 Pfosten-Riegel-Fassade zusammen, vorgefertigt und montiert von Scheldebouw. Insgesamt rund 14.000 m2 plane Isolierverglasung lieferte AGC Interpane Plattling. Rund 500 St. zylindrisch gebogene (konvex und konkav) sowie mehrfach gebogene Scheiben mit teilweise extremer Krümmung wurden bei Finiglas in Dülmen gefertigt.

Bildquelle: Foster + Partners
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Für das 4-seitige Structural Glazing-System, teilweise als Toggle-Glazing, teilweise mit Akustikfolie, kam durchgängig farbneutrales Clearvision, außen mit Doppelsilberbeschichtung Stopray Vision 50/50T, zum Einsatz. Die planen, 2-fach verglasten Einheiten setzten sich aus VSG außen und 6 mm ESG bzw. VSG/TVG innen zusammen, die 3-fach verglasten aus 10 mm ESG außen, 6 mm ESG mit Siebdruck auf Position 2 und VSG/TVG mit Wärmeschutzbeschichtung innen. Die gebogenen Isolierglaseinheiten sind beidseitig mit VSG ausgeführt. Als Warme Kante Abstandhalter wurden 16 mm und 18 mm Super Spacer SG verarbeitet.

Um eine verzerrungsfreie Durchsicht zu gewährleisten, schrieb Koltay Façades, da, wo es möglich war, laminiertes Floatglas vor. Aufgrund der großflächigen Verglasung kann in 90 Prozent der Räume Tageslicht genutzt werden. Eine moderne Gebäudeautomation, individuelle Beschattungsmöglichkeiten sowie Kühldecken verhindern Überhitzung und sorgen für Behaglichkeit. Der Ucw-Wert der Vorhangfassade im Turm beträgt max 1,4 W/m2K, der Ug-Wert für die Verglasung erfüllt mit max 1,0 W/m2K die lokalen Vorgaben an Passivhäuser, obwohl nur die Skylight als Dreifachverglasung ausgeführt ist.

3D-Modellierung macht Freiformgeometrie möglich

Ein stetiger, digitaler Informationsfluss zwischen Entwurfs-, Engineering-, Planungs- und Produktionsteams garantierte, dass die ikonische Form des Gebäudes auch möglichst effizient und kostensparend umgesetzt werden konnte. Auch wenn doppelt gebogene Isolierglaseinheiten die elegante Optik des Gebäudes maßgeblich bestimmen, sollten sie möglichst sparsam eingesetzt werden. Agnes Koltay erklärt: „Der Übergang zwischen Podium und Turm verläuft im MOL Campus nur über zwei Stockwerke. Um einen fließenden Übergang zu gewährleisten, kamen in diesem Bereich doppelt gebogene Gläser in Frage, statt sich der Biegung über eine Facettierung der Scheiben anzunähern. Darüber hinaus besitzen die Geschosse in Podium und Turm sehr unterschiedliche Grundflächen, was ebenfalls zu geschwungenen Formen führt. Um die Baubarkeit zu vereinfachen, haben wir, neben anderen Verbesserungen bei der Formgebung, die Biegeradien und die Anordnung der Module optimiert und die Geometrie feingetunt.“ Zwar ist BIM bei Großprojekten dieser Art mittlerweile Standard, doch Koltay Façades setzt bei freigeformten Fassaden auf parametrisches Design, um die Geometrie sowie die einzelnen Module zu optimieren und die Pläne automatisch aktualisieren zu können. Dabei mussten neben den unterschiedlichen Windlasten für plane, gebogenen und doppelt gebogene auch strukturelle, akustische und sicherheitstechnische Anforderungen eingerechnet und simuliert werden. So erhöhen Bahnverkehr und Bahnhof in der Umgebung den Geräuschpegel an einer Seite des Gebäudes.

Bildquelle: Foster + Partners
Bildquelle: Foster + Partners




Das Koltay Façades Engineering verwendet inhouse entwickelte Rhino Skripte für die 3D-Modellierung sowie digitale Tools für die Finite-Elemente-Analyse von Aluminium- und Glastragwerken. „In unserer Verantwortung liegt die Transformation des reinen Oberflächenmodells zu einem exakt vermaßten 3D-Modell, in dem sämtliche Details wie Befestigungszonen und Fugenspalten hinterlegt sind“, so Agnes Koltay weiter.

Super Spacer Abstandhalter spezifiziert für gebogene Isolierglaseinheiten

Als Abstandhalter spezifizierte Koltay Façades mit Super Spacer ein bereits bewährtes System. „The Opus“ von Zaha Hadid und das spektakuläre, von Killa designte „Museum of the Future“ in Dubai sind nur zwei der renommiertesten Freiformfassaden, die von Koltay Façades geplant und mit Super Spacer realisiert wurden. „Die Entscheidung wurde von den gebogenen Isoliergläsern getrieben, die mit starren Abstandhaltern kaum zu realisieren sind. Darüber hinaus können im Fertigungsprozess kleine Toleranzabweichungen an den Rändern der gebogenen Gläser auftreten. Der Strukturschaum gleicht dies durch seine Fähigkeit, sich zu verformen und dem Scheibenzwischenraum anzupassen, aus“, erklärt Agnes Koltay abschließend.

Joachim Stoß, Geschäftsführer der Edgetech Europe GmbH und Vice President International Sales bei Quanex ist zufrieden: „Freigeformte, organische Fassaden sind einer der wichtigsten Architekturtrends der letzten Jahre. Ohne eine durchgängige 3D-Modellkette vom Design bis zur Fertigung aber auch ohne flexible Komponenten wie den Super Spacer wären sie – wenn überhaupt – nur sehr aufwändig, langsam und teuer umzusetzen. Wir sind natürlich glücklich, auch bei diesem europäischen Prestigeprojekt wieder mit an Bord zu sein.“

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