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Apr

Buch über die Experimentalbauten von Werner Sobek

Fachliteratur

Haus R128 ist der Gegenentwurf zu immer kleineren Fenstern, absoluter Luftdichtigkeit und dicken Wärmedämmpaketen. Foto: Zooey Braun

Werner Sobek ist ein Architekt, Ingenieur und Forscher, der sich nicht scheut, unbequeme Wahrheiten auszusprechen und radikale Forderungen zu stellen. Von kurzfristigen Zielsetzungen hält er nichts. Sein Denken und Handeln orientiert sich vielmehr an den langfristigen Herausforderungen, vor denen die Menschheit steht. Und die sind gewaltig: Ressourcenmangel, Bevölkerungsexplosion, Klimawandel.

Wie kann unsere gebaute Umwelt weniger Ressourcen und keine fossilen Brennstoffe mehr verbrauchen? Wie kann sie keine Abfälle mehr erzeugen? Das sind die zentralen Fragen, die Sobek schon vor mehr als 20 Jahren zu untersuchen begann. In diesem Rahmen entstand eine ganze Serie experimenteller Einfamilienhäuser, die nicht nur in technologischer, sondern auch in ästhetischer Hinsicht völlig neue Maßstäbe setzen.

Haus H16 in Tieringen auf der Schwäbischen Alb liegt an einem Hang und verfügt über eine fantastische Aussicht über ein flaches Tal. Foto: Zooey Braun

Jetzt stellt ein Buch Werner Sobeks wichtigste Experimentalbauten ausführlich vor – in einer sehr anschaulichen Sprache, mit zahlreichen Grundrisszeichnungen und faszinierenden Bildwelten, die Werner Sobeks zentrales Anliegen widerspiegeln: dass unsere gebaute Umwelt nicht nur nachhaltig, sondern auch »atemberaubend schön« sein müsse.

Am Anfang steht R128, Werner Sobeks wegweisendes Wohnhaus am Rande des Stuttgarter Talkessels: Die Fassade ist vollständig transparent und stellt den Gegenpol dar zu den immer kleineren Fenstern, der absoluten Luftdichtigkeit und den dicken Wärmedämmpaketen, die Ende der Neunzigerjahre die Planungskultur prägten. R128 ist Sobeks erstes Triple-Zero-Haus, das keine fossilen Energieträger verbraucht (zero energy), keine Treibhausgase emittiert (zero emission) und fast vollständig rezyklierbar ist (zero waste).

Haus D10 in Biberach an der Riß ist das erste Wohnhaus, das mehr Energie erzeugt als es selbst verbraucht. Foto: Zooey Braun

Dieser Dreiklang zieht sich durch alle nachfolgenden Experimentalbauten: D10 in Biberach an der Riß ist das erste Wohnhaus, das mehr Energie erzeugt als es selbst verbraucht. F87 in Berlin versorgt mit dem Energieüberschuss zwei Elektroautos und ein E-Bike. Und B10, das Aktivhaus in der berühmten Stuttgarter Weißenhofsiedlung, beliefert zusätzlich sogar noch einen benachbarten Altbau mit Strom.

Das Aktivhaus B10 ist dabei allerdings keinesfalls der Schluss-, sondern nur der bisherige Höhepunkt in Sobeks Lebenswerk: »Es geht mir immer darum, die Dinge noch besser zu verstehen, sie noch konsequenter weiterzuentwickeln, sie noch besser zu gestalten.«

Alle Experimentalbauten veranschaulichen im Kleinen, was auch im Großen Anwendung finden könnte. Ganze Siedlungen, ja Städte könnten so aussehen und funktionieren, wie Sobek es mit dem Aktivhaus B10 demonstriert. Die Architekten müssten ebenso wie die Politik endlich »aufhören, die Hausfassade als Systemgrenze zu betrachten“, fordert Sobek, der sich nach einer gebauten Umwelt sehnt, „in der die Menschen glücklich und gesund im Einklang mit der Natur leben können, zu vernünftigen Preisen, ressourcenminimal, mit solarer Energie versorgt.«

Zu viel Zeit, mahnt der Stuttgarter Architekt und Bauingenieur, sei in den vergangenen Jahrzehnten ungenutzt verstrichen. »Man hat die vielen Hinweise des Club of Rome und anderer viel zu schnell verdrängt, um sich in eine Überflusskultur zu stürzen.« Jetzt müssten unsere Städte schnell elektrisch, also völlig emissionsfrei werden. Denn: »Das sofortige und umfassende Angehen der vor uns liegenden Probleme ist die einzige Chance, die die Menschheit hat.«

Frank Heinlein, »Residentials by Werner Sobek«, avedition, Stuttgart 2015,
ISBN 978-3-89986-235-5, 160 Seiten, 28 Euro (D)

Bestelllink: Residentials by Werner Sobek

Das Buch »Residentials by Werner Sobek« stellt die wichtigsten Experimentalbauten ausführlich vor. Foto: avedition


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Zwei rampenartige, überdurchschnittlich groß dimensionierte geschwungene Treppenaufgänge erschließen die drei Geschosse vom Erdgeschoss bis zur erhaben Bibliothek. Foto: Reflexion AG

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Die Fassade des Hochhauses ist über feine Lisenen vertikal gegliedert.

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Bild 1: In Versuchsreihen mit Glasfliesen konnte das Österreichische Forschungsinstitut in Wien nachweisen, dass unter Fliesen eingedrungenes Wasser weder in Richtung eines Gefälles abfließt, noch sich über eine zweite Entwässerungsebene entsorgen lässt. Bild: OFI

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Einsatz von Vakuum-Isolierglas im Neubau. Quelle: Schwarz Architekten/GlassX

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Die kleinen Keramikelemente sind auch aus größerer Entfernung anhand der flirrenden Spiegelungen erkennbar. Bildquelle: AGROB BUCHTAL GmbH / Jochen Stüber, Hamburg

Fassade

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