03
Mär

Technisches Rathaus Tübingen von a+r Architekten

Der Erweiterungsbau des Technischen Rathauses Tübingen stammt von a+r Architekten. Von einer Ziegelfassade umhüllt, folgt der Neubau in einem Bogen der Brunnenstraße. Foto: Marcus Ebener

Projekte (d)

 

Das von a+r Architekten entworfene Technische Rathaus in Tübingen ist eine Hommage an die Nachkriegsarchitektur mit ihren einfachen Konstruktionsprinzipien und reduziertem Materialeinsatz. Zugleich transformierten die Architekten das Gebäude in die Gegenwart – und machten daraus ein offenes, bürgernahes Gebäude in ressourcenschonender Bauweise. Das Herz des Ensembles aus Alt- und Neubau bildet ein lichtdurchflutetes Atrium, in dem die ursprüngliche Fassade des Gebäudes aus dem Jahr 1954 erlebbar ist. Mit ihrem kompakten Entwurf ist darüber hinaus gelungen, an der Gebäuderückseite eine wertvolle Freifläche entstehen zu lassen: eine öffentlich zugängliche Grünanlage entlang des Flusses Ammer, die zu einer höheren Aufenthaltsqualität im urbanen Raum beiträgt.

Besucher betreten das Technische Rathaus Tübingen über einen großzügigen Eingang an der Brunnenstraße. a+r Architekten haben damit auch eine schlüssige Anbindung an die Tübinger Innenstadt geschaffen. Foto: Marcus Ebener
Besucher betreten das Technische Rathaus Tübingen über einen großzügigen Eingang an der Brunnenstraße. a+r Architekten haben damit auch eine schlüssige Anbindung an die Tübinger Innenstadt geschaffen. Foto: Marcus Ebener


Das Technische Rathaus Tübingen ist eines der wenigen Gebäude aus den 1950er Jahren im Stadtbild der schwäbischen Universitätsstadt. Seit seinem Bau 1954 wurde es nicht mehr renoviert und erfüllte kaum noch die Anforderungen an einen modernen Verwaltungsbau, als im Jahr 2014 seine Generalsanierung und Erweiterung beschlossen wurden. Mit ihrem Entwurf führten a+r Architekten Altbau und Erweiterung zu einem neuen Ganzen zusammen, bei dem der Geist der Aufbaujahre zwar weiterhin spürbar bleibt, die Transformation in die heutige Zeit aber dennoch sichtbar gemacht wird. So platzierten sie den Neubau in Richtung Süden zur Brunnenstraße, wo er sich – dem Schwung der Straße folgend – einladend der Innenstadt zuwendet. Im Norden – auf der Gebäuderückseite – entstand Platz für einen kleinen öffentlichen Park.

Blick in das neu geschaffene Atrium zwischen Erweiterungs- und Altbau. In dieser über das Dach mit Licht gefluteten Halle kann der Besucher die Fassade des alten Rathauses aus dem Jahr 1954 noch nahezu originalgetreu erleben. Foto: Marcus Ebener
Blick in das neu geschaffene Atrium zwischen Erweiterungs- und Altbau. In dieser über das Dach mit Licht gefluteten Halle kann der Besucher die Fassade des alten Rathauses aus dem Jahr 1954 noch nahezu originalgetreu erleben. Foto: Marcus Ebener

Zwischen Alt und Neu: Das Atrium

Neben den Abteilungen des Technischen Rathauses hat nun auch das Baurechtsamt im Gebäudekomplex Platz. Auf dem Niveau der Brunnenstraße ensteht ein attraktiver Eingang, das großzügige Foyer mit integriertem Front-Office führt in das neu geschaffene Atrium zwischen Erweiterungs- und Altbau als Mitte und Herz des Ensembles. In dieser über das Dach mit Licht gefluteten Halle kann der Besucher die Fassade des alten Rathauses noch nahezu originalgetreu erleben. „Wie die Architektur der Nachkriegs-Moderne zeichnet sich auch der Neubau durch einen klaren Konstruktionsaufbau und einen reduzierten Einsatz der Materialien aus “, formuliert der Projektleiter Hellmut Schiefer den Planungsansatz. Architektonische Qualität wird durch die Rundungen und präzise handwerkliche Details erreicht. So umschließt eine wertige Ziegelfassade das gesamte Gebäude, und im Inneren sind nur wenige, natürliche Materialien wie Holz und Naturstein präsent.

Foto: Marcus Ebener
Foto: Marcus Ebener

Ein bürgernahes, offenes Gebäude

Insgesamt 220 neue Arbeitsplätze konnten durch die An- und Umbaumaßnahme geschaffen werden, wobei die Kommunikation der Mitarbeiter untereinander sowie der Austausch mit den Besuchern im Mittelpunkt stehen soll. Blickbeziehungen innerhalb des Gebäudes ­– teilweise von Büro zu Büro – schaffen dafür die ideale Voraussetzung. Von außen sorgen große, einladende Fenster für eine Architektur der Transparenz, die gut zu einem bürgernahen, offenen Rathaus passt. Es gibt Kombi- und Großraumbüros, die ihre Erschließungsflure mit in die Fläche einbeziehen, Teeküchen auf jedem Stockwerk und eine Cafeteria ­in einer dem Altbau aufgesetzten Etage in leichter Holzbauweise. Sie ist über eine Dachterrasse mit dem großen Sitzungssaal verbunden. Durch eine separate Erschließung eignet sich dieser Bereich auch für öffentliche Veranstaltungen.

Wichtige Bestandselemente, wie das Treppenhaus, konnten erhalten bleiben, lediglich das Geländer musste aufgrund der heutigen Sicherheitsanforderungen erneuert werden. a+r Architekten planen mit Respekt vor dem Bestand. Foto: Marcus Ebener
Wichtige Bestandselemente, wie das Treppenhaus, konnten erhalten bleiben, lediglich das Geländer musste aufgrund der heutigen Sicherheitsanforderungen erneuert werden. a+r Architekten planen mit Respekt vor dem Bestand. Foto: Marcus Ebener

Ökologisch verantwortlich

Wichtig war den Planungsverantwortlichen der „grünen“ Stadt Tübingen auch der Aspekt Nachhaltigkeit, ein Kernthema von a+r Architekten. Das ressourcenbewusste Planen zeigt sich im Erhalt des Altbaus und damit verbunden einer deutlichen Einsparung sogenannter grauer Energie von Anfang an. Auch die Konzeption des Gebäudeverbunds mit einem sehr günstigen Oberfläche-zu-Volumen-Verhältnis (A/V-Verhältnis) trägt zu einer deutlichen Energieeinsparung bei. Die hoch wärmegedämmte Lochfassade mit einem Fensteranteil von etwa 50 Prozent kommt sowohl dem winterlichen als auch dem sommerlichen Wärmeschutz entgegen.

Detail der Ziegelfassade im Erdgeschoss. Wenige, ausgesuchte Materialien prägen sowohl die Fassade als auch die Innenräume des Erweiterungsbaus. a+r Architekten nehmen damit Bezug auf die Bestandsarchitektur des Technischen Rathauses aus dem Jahr 1954. Foto: Marcus Ebener
Detail der Ziegelfassade im Erdgeschoss. Wenige, ausgesuchte Materialien prägen sowohl die Fassade als auch die Innenräume des Erweiterungsbaus. a+r Architekten nehmen damit Bezug auf die Bestandsarchitektur des Technischen Rathauses aus dem Jahr 1954. Foto: Marcus Ebener


Damit erreicht das Gebäude – zwar nicht zertifiziert, aber den Werten nach – Passivhausstandard. Erneuerbare Energie wird über Geothermie und Solaranlagen gewonnen. Die Erweiterung bedeutet eine nachhaltige und wertstabile Zukunftsinvestition der Stadt in ihre Verwaltung und in die Betreuung ihrer Bürger. In der Architektur findet diese Haltung ihren adäquaten Ausdruck in der Verwendung von Recyclingbeton, den geringen Wartungsaufwand durch die langlebige Ziegelfassade sowie die hohe Flexibilität der Grundrisse.

Der Erweiterungsbau des Technischen Rathauses Tübingen bietet Platz für 220 Mitarbeiter und großzügige Konferenzräume. a+r Architekten entschieden sich bewusst für einen reduzierten Materialeinsatz und eine reduzierte Farbgebung. Foto: Marcus Ebener
Der Erweiterungsbau des Technischen Rathauses Tübingen bietet Platz für 220 Mitarbeiter und großzügige Konferenzräume. a+r Architekten entschieden sich bewusst für einen reduzierten Materialeinsatz und eine reduzierte Farbgebung. Foto: Marcus Ebener

Entrée in die Innenstadt und urbaner Grünraum

Mit ihrem Entwurf haben die Architekten bewusst eine andere Lösung entwickelt, als im Wettbewerb vorgegeben war. Anders als die Vorgabe, die den Erweiterungsbau mit Haupteingang auf der Rückseite des Bestandsgebäudes im Norden vorsah, platzierten a+r Architekten die Erweiterung auf der Südseite zwischen Bestand und Brunnenstraße. „Uns war es wichtig, dass der Erweiterungsbau dem Bogen der Straße folgt und einen klar definierten Stadtraum bildet. Es entstand ein einladender Haupteingang und eine Gesamtsichtbarkeit zur Innenstadt. Auf der Nordseite haben wir aufgrund unseres kompakten, flächensparenden Baukörper bewusst Raum geschaffen für eine wertvolle Grünfläche entlang der Ammer“, lautet das Resümee des Projektleiters.

Daten + Fakten
Planungs- und Bauzeit: 2016 - 2019
Planungsbüro: a+r Architekten GmbH
Projektadresse: Tübingen
BGF: Bruttogrundfläche Bestandsgebäudes: 4.975m², Bruttogrundfläche Anbau ca. 3.165m²


Die experimentelle Wohneinheit „Urban Mining & Recycling“ basiert auf der Idee der Kreislaufwirtschaft. Dabei handelt es sich um ein aus Holz errichtetes und sortenrein aus wiederverwendbaren, wiederverwertbaren sowie kompostierbaren Materialien konstruiertes Wohnmodul. Entwickelt wurde das Modul von Werner Sobek zusammen mit Dirk E. Hebel und Felix Heise, beide vom Karlsruher Institut für Technologie KIT. Foto: Zooey Braun

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