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Jan

Waldkliniken Eisenberg: Der Patient als Gast

Luftbild des Bettenhauses der Waldkliniken Eisenberg. Bildquelle: HG Esch

Gebäudetechnik

 

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Fassade des Bettenhauses. Bildquelle: HG Esch


Seit den 1990er-Jahren setzt sich die Erkenntnis durch, dass für den Heilungserfolg mehr notwendig ist, als die optimale medizinische Behandlung. „Healing Environment“ ist das Wort der Stunde. Frische Luft, Tageslicht und der Ausblick in die Natur tragen wesentlich zur schnellen Genesung bei. Aus diesem Grund entschied man sich, für den Neubau des Bettenhauses der Waldkliniken Eisenberg im Thüringer Wald, einer kommunalen Fachklinik für Orthopädie, neue Wege zu gehen.

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Empfangsbereich des Bettenhauses. Bildquelle: HG Esch


Sowohl in den Prozessen als auch in der Gestaltung. Typische Erinnerungen an ein Krankenhaus werden seit der Eröffnung im Oktober 2020 nicht geweckt. Stattdessen wurde mit dem neuen Bettenhaus aus der Feder von Matteo Thun & Partners und HDR Architekten ein ganzheitlich gedachtes Leuchtturmprojekt verwirklicht, in dem sich das Leitbild „Der Patient als Gast auf Zeit“ von der Architektur bis zur eigens entworfenen Espressotasse durchzieht. So wird aus der notwendigen Behandlungsdauer ein auf Gastlichkeit angelegter Aufenthalt auf Zeit in einem Gesundheitsbau inklusive einer Dehoga-Klassifizierung für Hotellerie.

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Patientenzimmer mit Veranda. Bildquelle: HG Esch

Architektur

Nicht nur der kreisförmige Grundriss steht im Kontrast zum bestehenden Gebäudeensemble, auch der Ansatz, mit dem Neubau des Bettenhauses in konzeptioneller, gestalterischer, aber auch funktionaler Weise einen Klinik-Campus für Patienten, Besucher und Mitarbeiter zu schaffen, ist bislang einzigartig. Die Leitidee, sich am Wohlbefinden des Patienten als Gast zu orientieren, führt zu einer typologischen Neuentwicklung. Das Bettenhaus ist geprägt von kurzen Wegen und der Orientierung im Gebäude.

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Empfangsbereich. Bildquelle: Henrik Schipper


Die Kreisform erlaubt eine Anordnung aller Zimmer mit Blick ins Grüne, während die dienenden Funktionen sich zum introvertierten Innenhof ausrichten. Die diagonale Anordnung der Betten in den überwiegend als Zweibettzimmer angelegten Räumen erlaubt persönliche Rückzugsmöglichkeiten, aber auch Raum für Interaktion. Jeweils zwei Patientenzimmer gruppieren sich um eine verglaste Veranda, die als Aufenthalts- und Kommunikationsort genutzt werden kann. Durch die großen Fensteröffnungen entsteht eine starke Verbindung zum Wald mit seinen Wetterverhältnissen und Jahreszeiten.

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Interieur eines Privatzimmers. Bildquelle: Henrik Schipper


Auch im Sinne der Verortung und des Materialeinsatzes gehen die Architekten neue Wege. Das Holz der Region wird buchstäblich ins Haus geholt – über die Oberflächen der Einbauten und der Böden –, aber auch konstruktiv erhält das Holz eine tragende Rolle in Form einer Holz-Beton-Hybridbauweise. Die Stahlbetonskelettkonstruktion, eine Vorgabe aus Brandschutzgründen und wegen der großen Spannweiten im Krankenhausbau, wird auf ein Minimum reduziert.

Ausfachungen, z. B. der Außenwände in den Obergeschossen, werden als Holzrahmenkonstruktion ausgeführt und mit Holz verkleidet. Dadurch können ökologische Vorteile wie die Verwendung nachwachsender Rohstoffe, Verbesserung der C02-Bilanz, aber auch ökonomische Vorteile wie Lebenszykluskosten und kürzere Bauzeiten durch Vorfertigung erreicht werden. Sicht- und erlebbar wird die Holzkonstruktion auch über die horizontale Holzlattung vor der Glasfassade, die sich mit der Zeit silbergrau verfärben wird.

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Detailaufnahme LS 990 Messing antik. Bildquelle: Henrik Schipper

Innenarchitektur

Der Vorteil des Klinikensembles ist die Trennung von Behandlungs- und Therapieräumen und den Wohnbereichen. Personen in der stationären Rekonvaleszenz können die Zeit außerhalb ihrer Behandlung in Räumen mit Hotelkomfort verbringen und somit deutlich mehr Aufenthaltsqualität genießen, als sie ein normales Krankenzimmer bieten könnte. Geprägt von der umliegenden Natur, finden sich Grüntöne für das Interior Design, natürliche Materialien und Farbkompositionen der Flora und Fauna im Bettenhaus. Mit Blick auf den begrünten Innenhof bildet die Gastronomie den Mittelpunkt des Gebäudes.

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Private und öffentliche Innenräume Waldkliniken Eisenberg, Detailaufnahme LS 990 Alpinweiß / LS 990 Messing antik. Bildquelle: Henrik Schipper


Der Fokus des Interior Designs liegt auf der Entwicklung der Patientenzimmer. Als kommunales Haus in öffentlicher Hand sind nur Zweibettzimmer als Mindestbelegung möglich. Durch einen gestalterischen Kniff, die Betten nicht parallel, sondern diagonal zueinander versetzt aufzustellen, entstehen verschiedene Raumzonen, die je nach Bedarf geöffnet oder über einen Vorhang voneinander separiert werden können. Neben dem unverstellten Ausblick in die Natur orientiert sich die Gestaltung und Farbwahl der Ausstattung ebenfalls an der Hotellerie. Die Atmosphäre ist angenehm und freundlich, funktional und höchst durchdacht – von der Ablage bis zum Lichtschalter.

Doch nicht nur der Patient steht im Fokus. Auch die Arbeitsatmosphäre der Mitarbeiter soll positiv beeinflusst werden: durch eine offene, transparente Raumgestaltung und somit der Sichtbarkeit und Ansprechbarkeit des Personals. Ergänzend zur Innenarchitektur gestalteten Matteo Thun & Partners auch die gesamte Corporate Indentity und das Corporate Design für die Waldkliniken, um den Anspruch von Architektur und Interior Design ganzheitlich zu kommunizieren.

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Bildquelle: Henrik Schipper

Nachhaltigkeit

Als größter Arbeitgeber in der Region war die Stärkung des lokalen Handwerks ein nachhaltiges Ziel. 85 % der Bauleistungen wurden von Unternehmen aus der Region mit kurzen Transportwegen erbracht. Die enge Verbundenheit zur Region, dem Saale-Holzland-Kreis, drückt sich auch in der Bauweise und dem sichtbaren Einsatz von Holz als Gestaltungselement aus. Ein Teil der Betonkonstruktion wird über eine Betonkernaktivierung für die Temperaturregelung der Bettenzimmer nachhaltig verwendet. Ein Eisspeicher bildet die Grundlage für die notwendige saisonale Grundtemperatur zur Heizung und Kühlung.

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Detailaufnahme LS 990 Messing antik. Bildquelle: Henrik Schipper

Elektrotechnik

Dass Nachhaltigkeit und ein Sinn für Ästhetik kein Widerspruch sein müssen, zeigt sich an der Ausstattung der Räume bis ins Detail. So kommt im gesamten Haus der Schalter-Designklassiker LS 990 von Jung zum Einsatz, in Alpinweiß und Messing Antik. Die klassische Ausführung des Lichtschalters mit seinem schmalen Rahmen bietet dank seines großen Funktionsspektrums vielseitige Anwendungen in Materialien von Duroplast bis Echtmetall. In ausgewählten Räumen wurden die Schalter mit einer Gravur des eigens von Matteo Thun entworfenen Logos für die Waldkliniken versehen.

Eine weitere Besonderheit des Projekts war die enge Einbeziehung der Mitarbeiter in die Entscheidungsfindung. In einem Mock-up auf dem Gelände wurden die Konzepte für die Patientenzimmer, Bäder, Veranda, die Einrichtung und die Ausstattung auf ihre Praxis-Tauglichkeit überprüft.

Fakten
Projekt: Neubau Bettenhaus Waldkliniken Eisenberg (WKE)
Standort: Eisenberg/Thüringen
Eröffnung: Oktober 2020
BGF: 16 550 m²
5 oberirdische Geschosse, Untergeschoss sowie Technikzentralen auf dem Dach
Bettenanzahl: 246 Betten in 128 Zimmern (13 Privatzimmer)
Fotografen: Henrik Schipper / HG Esch


Visualisierung des Neubaus des Bayerischen Rundfunks in München-Freimann. Foto: Fritsch + Tschaidse Architekten

Dach

Luftbild des Bettenhauses der Waldkliniken Eisenberg. Bildquelle: HG Esch

Gebäudetechnik

Bildquelle: Zehnder Group Deutschland GmbH, Lahr

Gebäudetechnik

Auf dem Handtuch-Grundstück positionierte Architektin Anja Engelshove das Gebäude an der hinteren Grundstücksgrenze im dicht bebauten Norden. So haben die Nutzer freien Blick in ihren Garten, in dem Logic Moon-Leuchten von Delta Light dezente Akzente setzen. Bildquelle: Arnd Haug für Delta Light

Beleuchtung

Das schwäbische Unternehmen LUX GLENDER hat ein „Licht-im-Handlauf-System“ entwickelt, dass die Brücke über den Walkegraben in Frankenberg (Eder) eindrucksvoll in Szene setzt. Bildquelle: lux-glender.com

Außenraum

Die von a+r Architekten geplante Neuapostolische Kirche Böblingen integriert sich mit ihrer charaktervollen Klinkerfassade harmonisch in das bauliche Umfeld und stellt Bezüge zu den umliegenden Gebäuden her. Foto: Marcus Ebener

Projekte (d)

Einladend und weitläufig ist das neue Arbeitsloft „M-Lab“ der Agentur Monsun Media in Bremen. Ein gutes akustisches Raumklima schaffen die dezent von der Decke abgehängten Rossoacoustic Pads der Nimbus Group. Foto: POPO Sitzmöbel und Stehschränke GmbH, Patrick Drescher

Innenausbau

Im Sinne der schützenswerten Architektur von Werner Kallmorgen übernahm Licht01 die vorhandenen Deckeneinbauringe soweit wie möglich. Die QR-CBCLampen wurden durch deckenbündig versenkbare LED-Multifunktionsstrahler mit Wechseloptiken und Wallwasher ersetzt. Bildquelle: Andreas Weiss

Projekte (d)

Das neu ausgebaute Dachgeschoss wird im Giebelbereich von geschickt unsichtbar montierten Underscore-Leuchten erhellt. Die Linearleuchten von iGuzzini betonen die Flächen und das Volumen des Giebels völlig schattenfrei und weiten den Raum nach oben auf. Bildquelle: David Franck, Stuttgart

Beleuchtung

Bildquelle: Mehmet & Kazim Akal und Kunstverein Friedrichshafen, Fotograf: Frank Kleinbach

Design Kunst

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