03
Okt

Gesunde Luft im Klassenzimmer

Mit guter Lüftung lässt sich sowohl die Konzentration von Kohlendioxid als auch die von Aerosolen deutlich senken. Dabei übernimmt eine Lüftungsanlage automatisch das Lüften. Sie saugt verbrauchte Luft mitsamt CO2 und Aerosolen ab und führt frische Luft zu. Die Zuluft wird darüber hinaus erwärmt, sodass es im Klassenzimmer angenehm warm bleibt. Bildquelle: Zehnder Group Deutschland GmbH, Lahr

Gebäudetechnik

 

Aufgrund der Pandemie reden jetzt plötzlich alle von gesunder Raumluft und notwendiger Raumlufthygiene. Ob nun bei der energetischen Sanierung des Eigenheims der Großmutter, dem Neubau der schicken Doppelhaushälfte oder auch in Bezug auf die Raumklimasituation öffentlicher Gebäude, insbesondere den Klassenzimmern unserer Schulen. Natürlich ist es grundsätzlich positiv zu bewerten, wenn sich so viele Menschen – sicherlich durch Corona befeuert – nun für so ein wichtiges Thema wie der „Gesundheit und Behaglichkeit in Innenräumen“ interessieren. Leider hat dies aber auch den nachteiligen Effekt, dass - je mehr Menschen an einer Diskussion teilhaben – umso mehr auch Halbwahrheiten und ungenaue Äußerungen ins Spiel kommen. Deshalb möchte Peter Bachmann, der Geschäftsführer des Sentinel Haus Instituts, eine objektive Betrachtung der Innenraumlüftung vornehmen, dabei grundlegende Vorteilsargumentationen der Lüftung benennen, aber auch einen wissenschaftlich abgesicherten, seriösen Leistungsvergleich mit den ebenfalls viel diskutierten Luftreinigern vornehmen.

Peter Bachmann, Geschäftsführer des Sentinel Haus Instituts, kann jedem Architekten nur dringend raten, seine Kunden lüftungstechnisch objektiv zu beraten.  Denn auch ohne eine baurechtliche Gesetzesvorschrift kann es ansonsten teuer werden für den Architekten, erläutert Bachmann. Bildquelle: Sentinel Haus Institut, Freiburg
Peter Bachmann, Geschäftsführer des Sentinel Haus Instituts, kann jedem Architekten nur dringend raten, seine Kunden lüftungstechnisch objektiv zu beraten. Denn auch ohne eine baurechtliche Gesetzesvorschrift kann es ansonsten teuer werden für den Architekten, erläutert Bachmann. Bildquelle: Sentinel Haus Institut, Freiburg

INTERVIEW mit Peter Bachmann

Redaktion: Das Bundesumweltamt empfiehlt bei gesundheitlich belastenden Einflüssen auf das Innenraumklima den Einsatz von lüftungstechnischen Anlagen, also einer zentralen oder dezentralen Wohnungslüftung. Trotzdem wird auf politischer Ebene sehr oft der Einsatz von Raumluftreinigern als ausreichende klimatechnische Maßnahme beschrieben. Woran liegt`s? Wird hier aus Unwissenheit Luftreinigung und Wohnraumlüftung in einen Topf geworfen?

Peter Bachmann: Es ist ein nur allzu menschlicher Reflex, dass man – egal ob nun Politiker, Journalist oder einfach Eltern eines schulpflichtigen Kindes – bei Problemen gerne nach schnellen und einfachen Lösungen sucht. Ein jederzeit gesundes Raumluftklima ist aber leider recht komplex. Deshalb denke ich auch, dass bei diesem Thema viele Begrifflichkeiten einfach aus Unwissenheit vermischt werden. Umso wichtiger ist es daher, den Menschen ehrlich, seriös und wissenschaftlich abgesichert zu erklären, was kann die Raumlüftung leisten, und was kann die Luftreinigung leisten? Zudem stellt sich - bezogen auf die Raumlüftung – bei jedem Bauvorhaben immer zuerst die Systemfrage, also spricht die Vor-Ort-Situation eher für eine dezentrale oder eine zentrale Innenraumlüftung. Bei den Luftreinigungsgeräten ist die Situation noch mal diffiziler, denn Luftreinigung ist nicht gleich Luftreinigung. So gibt es Luftreiniger, welche die Luftsituation in einem Raum sogar noch verschlechtern können, wenn diese mit Ozon oder – noch schlimmer – mit Beduftungsessenzen versehen sind. Wer hier auf Nummer Sicher gehen will, sollte unbedingt im Vorfeld einer „Belüftungs-Entscheidung“ einen Blick auf die Aussagen des Fresenius-Instituts werfen. Fresenius hat hier sehr aussagekräftige Informationsmaterialien über Luftreinigungsgeräte zusammengestellt.

Für die Strömungssimulationen mit dem TÜV Süd wurde ein Schullüftungssystem des Raumklimaspezialisten Zehnder verwendet. Bei diesen Testreihen wurde beim Einsatz von zentraler Raumlüftung ein optimaler Frischluftkreislauf ohne Zuglufterscheinungen oder Aerosol-Ansammlungen nachgewiesen. Bildquelle: Zehnder Group Deutschland GmbH, Lahr
Für die Strömungssimulationen mit dem TÜV Süd wurde ein Schullüftungssystem des Raumklimaspezialisten Zehnder verwendet. Bei diesen Testreihen wurde beim Einsatz von zentraler Raumlüftung ein optimaler Frischluftkreislauf ohne Zuglufterscheinungen oder Aerosol-Ansammlungen nachgewiesen. Bildquelle: Zehnder Group Deutschland GmbH, Lahr


Redaktion: Bleiben wir noch mal beim „Durcheinanderwerfen der Begriffe Raumluftreinigung und Raumlüftung“. Diese beiden Systeme wollen beide das Gleiche – nämlich für eine saubere und hygienisch einwandfreie Luft in Innenräumen sorgen. Aber es gibt doch große Unterschiede – auch und gerade im Leistungsvermögen dieser beiden Techniken. Könnten Sie uns diesbezüglich etwas schlauer machen?

Peter Bachmann: Sehr gerne. Werfen wir dabei erst mal ganz nüchtern einen Blick auf alle möglichen negativen Einflussfaktoren für ein gesundes Raumklima:
1. Menschen verbrauchen Sauerstoff und geben CO2 durch die Atemluft in den Innenraum. CO2 verursacht Konzentrationsprobleme, Kopfschmerzen und viele weitere Symptome.
2. Menschen geben durch Ihre Atmung Aerosole ab. Diese können Viren an weitere Menschen im Innenraum übertragen.
3. Schadstoffe aus Bauprodukten und/oder Reinigungsmitteln können die Raumluft mit Lösemitteln belasten. Diese Schadstoffe können vielseitige negative Wirkungen auf unsere Gesundheit nehmen.
4. Emissionen und Lärm können durch offene Fenster in den Innenraum gelangen und massiv die Konzentration und Gesundheit belasten.

Dann gilt es in Bezug auf meine persönliche Raumsituation folgende Aspekte zu berücksichtigen:
1. Wie viele Menschen nutzen den Raum?
2. Wie ist der Raum möbliert und zugeschnitten?
3. Welche Lüftungssituation ist vorhanden?

Im Zuge der Corona-Pandemie müssen Schulen heute nicht nur ein optimales Lern- und Lehrumfeld anbieten, sondern auch das Infektionsrisiko auf ein Minimum reduzieren. Eine Lösung ohne permanent geöffnete Fenster und auch ohne die Pflicht zum Tragen einer Maske bietet beispielsweise das spezielle Schullüftungssystem von Zehnder. Bildquelle: Zehnder Group Deutschland GmbH, Lahr
Im Zuge der Corona-Pandemie müssen Schulen heute nicht nur ein optimales Lern- und Lehrumfeld anbieten, sondern auch das Infektionsrisiko auf ein Minimum reduzieren. Eine Lösung ohne permanent geöffnete Fenster und auch ohne die Pflicht zum Tragen einer Maske bietet beispielsweise das spezielle Schullüftungssystem von Zehnder. Bildquelle: Zehnder Group Deutschland GmbH, Lahr


Wenn ich nun also mein persönliches Anforderungsprofil an eine Raumluftoptimierung definiert habe, sollte ich mir klar machen: Was kann eine Lüftungsanlage und was kann ein Raumluftreiniger leisten?
Eine hochwertige Lüftungsanlage sorgt für kontinuierliche Frischluft – und damit Sauerstoffzufuhr sowie den Abtransport von CO2, Aerosolen und Lösemitteln. Zudem schützt sie vor allen möglichen Außeneinflüssen wie Straßenlärm, Pollen, Insekten und Feinstaub. Und letztlich kann sie dank des Einsatzes eines Wärmetauschers auch noch wertvolle Energie einsparen.
Ein hochwertiger Raumluftreiniger filtert bzw. reinigt die Luft von Lösemitteln, Aerosolen und Feinstaub.
Auf Basis dieser umfassenden Grundlagen-Analyse kann man nun eine seriöse Entscheidung treffen, welche Lösung zur Optimierung des Innenraumklimas in meinem individuellen Fall am sinnvollsten erscheint.

Redaktion: Kommen wir nun zu einem in diesem ganzen Kontext „Gesunde Raumluft“ heiß diskutierten Thema, der so genannten Schullüftung. Gesunde Raumluft im Klassenzimmer – wem liegt dieses Thema nicht ganz besonders am Herzen? Die hohe Relevanz zeigt sich auch am Engagement der öffentlichen Hand. So hat die Bundesregierung im Spätsommer noch mal ein Förderprogramm von 200 Millionen Euro für mobile Luftreiniger an Schulen und Kitas aufgelegt. Wobei es doch überraschend war, wie eindeutig sich die Politik auf eine Belüftungsform, den mobilen Luftreiniger, festgelegt hat. Wie bewerten Sie diese einseitige System-Präferierung?

Peter Bachmann: Als Institut für Gesundheit in Immobilien verlassen wir uns am liebsten auf wissenschaftlich fundierte Fakten, bevor wir zu einer öffentlichen Bewertung bestimmter technologischer Systeme kommen. Ganz besonders im Fall der Schullüftung, geht es doch hier um die Gesundheit und Sicherheit von Kindern und Lehrkräften!

So sieht es hoffentlich bald an deutschen Schulen wieder aus: Ohne Maske und Mindestabstand vergnügen sich Schüler in der großen Pause, während eine Lüftungsanlage kontinuierlich für eine Versorgung mit Frischluft und der Ableitung CO2 belasteter Altluft sorgt. Denn auch nach dem Ende der Pandemie wird es für eine Lüftungsanlage immer noch genügend Arbeit geben. Bildquelle: Zehnder Group Deutschland GmbH, Lahr
So sieht es hoffentlich bald an deutschen Schulen wieder aus: Ohne Maske und Mindestabstand vergnügen sich Schüler in der großen Pause, während eine Lüftungsanlage kontinuierlich für eine Versorgung mit Frischluft und der Ableitung CO2 belasteter Altluft sorgt. Denn auch nach dem Ende der Pandemie wird es für eine Lüftungsanlage immer noch genügend Arbeit geben. Bildquelle: Zehnder Group Deutschland GmbH, Lahr


Gemeinsam mit dem TÜV SÜD in Bayern haben wir an zwei Referenzschulen die Situation genau analysiert und gemessen. Das Ergebnis zeigt eindeutig, dass nur mit einer kontrollierten Lüftungsanlage eine optimale gesundheitliche Situation hergestellt werden kann. Raumluftreiniger können eine intelligente Ergänzung sein. Beim in diesem Test eingesetzten Raumlüftungsgerät bewegte sich der Luftstrom immer dicht an der Wand bzw. an der Raumdecke entlang, ohne dass die im Raum befindlichen Personen mit Viren oder Schadstoffen in Berührung gekommen wären. Sein Wissen zu den Strömungsuntersuchungen des TÜV Süd kann man gerne vertiefen unter: https://bit.ly/3lU9IVS

Ein weiterer, speziell „Schulhygienischer“ Hygiene-Aspekt: In den Sommerferien werden die Klassenzimmer zumeist mit sehr aggressiven Reinigungsmitteln gesäubert. Zum Start des Schulbetriebs herrscht dann in den Klassenzimmern eine hohe Schadstoffkonzentration. Mit einer kontinuierlich laufenden, lüftungstechnischen Anlage kommt es für Schüler und Lehrer erst gar nicht zu dieser Raumluft belastenden Situation.

Und zum guten Schluss: Die gerade im Schulbetrieb – mit vielen Personen in einem Klassenzimmer - hohe CO2 Belastung bekomme ich nur mit einer raumlufttechnischen Anlage über einen kontinuierlichen Luftaustausch in den Griff. Und wenn Corona irgendwann mal Geschichte ist - die hohe CO2 Belastung im Klassenzimmer bleibt. Warum also nicht gleich in eine Technologie investieren, die mir auch nach Corona weiterhelfen kann – eine Wert schöpfendere Investition in ein gesundes und hygienisch einwandfreies Innenraumklima kann ich mir nicht vorstellen.

Redaktion: Eine der größten Vorbehalte gegenüber einer Komfortlüftungsanlage besteht in der Argumentation, dass man bei einer solchen Anlage auf keinen Fall mehr die Fenster öffnen darf. Was entgegnen Sie diesem Vorbehalt?

Peter Bachmann: Dazu sollte man sich erstmal die vielseitigen Vorteile vor Augen führen, die geschlossene Fenster für den Bewohner oder Raumnutzer mit sich bringen:
1. Es fliegen keine lästigen Insekten in den Innenraum
2. Gerade im Winter strömt keine kalte Luft ins Zimmer
3. Lärm und Pollen bleiben draußen
4. Im Sommer bleibt die heiße Luft vor dem Haus
5. Die Aerosole und Schadstoffe werden nicht verwirbelt und können damit leichter im Filter gebunden werden

Besonders möchte ich an dieser Stelle noch mal auf die kalte, trockene Luft verweisen, die ich mir in den Wintermonaten bei geöffneten Fenster in den Raum hole – mit der Folge, dass ich irgendwann eine viel zu hohe Konzentration an trockener Luft im Zimmer habe. Mit der Konsequenz: Meine Schleimhäute trocknen zunehmend aus und trockene Schleimhäute machen den Bewohner und Nutzer erheblich anfälliger für Erkältungskrankheiten.
Und abschließend möchte ich nochmal darauf hinweisen: Die Lüftung verbietet grundsätzlich nicht ein maßvolles Öffnen der Fenster. Von einem Verbot kann also nicht die Rede sein. Das steht übrigens auch alles – nur noch etwas ausführlicher – auf unserer Website unter: https://bit.ly/3lUaaDx

Redaktion: Warum werden eigentlich heute immer noch – bei allen Argumentationen pro Lüftungstechnik im Kontext „Energieeffizientes Bauen und Sanieren“ relativ viele Gebäude ohne eine Lüftungstechnik realisiert? Das müsste in der heutigen Zeit mit dem heutigen „Energieeffizienz-Wissen“ doch eigentlich ein „No Go“ sein?

Peter Bachmann: Das verstehe ich auch nicht. Ich kann nur vermuten, dass durch bewusste Fehlinformation Kosten gespart werden sollen. Das ist aus gesundheitlicher Sicht unverantwortlich.

Redaktion: Muss der Architekt nicht Regressforderungen fürchten, wenn er den Bauherrn bei einem energieeffizienten Bau bzw. Sanierung nicht lüftungstechnisch berät? Die Gefahr einer zu hohen Feuchte in den Räumen mit späterer Schimmelbildung ist doch relativ hoch.

Peter Bachmann: Man kann jedem Architekten nur dringend raten, seinen Kunden in dieser Hinsicht objektiv zu beraten. Denn auch ohne eine baurechtliche Gesetzesvorschrift kann es teuer werden für den Architekten. So handelt es sich bei der „berüchtigten“ Lüftungsnorm DIN 1946/6 zwar „nur“ um eine bautechnische Richtlinie. Aber der Architekt sollte die Situation trotzdem auf keinen Fall unterschätzen. Denn bei Regressverhandlungen werden inzwischen die zahlrechen baurechtlichen Leitfäden der Verbände (siehe Infoblatt_Nr_72_September_2018_Wohnungslueftung_mit_WRG.pdf (bdh-industrie.de) oder auch vom Umweltbundesamt von den Gerichten für ihre Urteilsbegründung herangezogen.

Mein Appell an alle Architekten lautet daher: Bitte nehmen Sie Ihre Verantwortung wahr für die Gesundheit der zukünftigen Nutzer respektive Bewohner einer von Ihnen geplanten Immobilie.


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