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Mi, Feb

Montblanc-Haus von Nieto Sobejano Arquitectos

Die 2800 m² große Fassade des Montblanc-Besucherzentrums ist mit einem geschichteten Relief ausgebildet, das hinterleuchtet ist und in den dunklen Stunden der Gebäudehülle ein noch spektakuläreres Erscheinungsbild verleiht. Bildquelle: Roland Halbe

Hochbau

In Hamburg hat der Schreibgerätehersteller Montblanc eine Dauerausstellung errichtet. Der Neubau zeichnet sich durch seine schwarze aufwendig gestaltete Fassade aus. Die Schaffung dieser Gebäudeverkleidung stellte die Verantwortlichen vor große Herausforderungen und wurde hervorragend gelöst.

Die Gebäudeform und die Fassadenfarbe sind an die Verpackung eines klassischen Montblanc-Füllers angelehnt. Bildquelle: Roland HalbeDie Gebäudeform und die Fassadenfarbe sind an die Verpackung eines klassischen Montblanc-Füllers angelehnt. Bildquelle: Roland Halbe


Montblanc, der Hersteller hochwertiger Schreibgeräte, hat in Hamburg eine Dauerausstellung eröffnet, deren Szenografie und Innenarchitektur von dem Büro Projektile gestaltet wurde. Der spektakuläre Neubau befindet sich direkt neben dem Hauptsitz des Unternehmens und stellt auf einer Fläche von 3.600 m² bzw. drei Geschossen die Geschichte des Herstellers sowie dessen elegante Produkte aus. Bei der Konzeption des Objektes waren international bekannte Planer beteiligt: Während das Büro Nieto Sobejano Arquitectos für den architektonischen Entwurf verantwortlich war, übernahm das Büro Werner Sobek die Planung der technischen Gebäudeausrüstung, des Tragwerks und der Fassade. Diese stimmt den Besucher schon vor dem Betreten des Objekts darauf ein, was ihn im Inneren erwartet: Außergewöhnliche Betonfertigteilelemente zeigen auf der Süd-, West- und Ostfassade neben dem bekannten Firmenlogo auch ein Relief jenes Berges, dem das Unternehmen seinen Namen verdankt – dem Mont Blanc. Zudem erinnern die Form des Gebäudes sowie die besondere Fassadenfarbe an die historische Schreibgeräteverpackung der edlen Füller, Kugelschreiber, Fineliner und Co., die in der Ausstellung gezeigt werden.

Die Süd-, die West- und die Ostfassade zeigen nicht nur das Logo des Unternehmens, sondern auch ein stilisiertes Bild des namensgebenden Berges. Bildquelle: Roland Halbe
Die Süd-, die West- und die Ostfassade zeigen nicht nur das Logo des Unternehmens, sondern auch ein stilisiertes Bild des namensgebenden Berges. Bildquelle: Roland Halbe

Aufwendige Gestaltung, enorme Größe

Die W+P Gesellschaft für Projektrealisierung mbH betreute und koordinierte die über 60 am Bau beteiligten Gewerke. Dabei vertraute sie dem Bauunternehmen G. Büter. Dieses übernahm die Rolle des Generalunternehmers und beauftragte das Fertigteilwerk BWE-Bau mit dem Erstellen, dem Transport und der Montage der Fassadenelemente – eine anspruchsvolle Aufgabe. Denn dies bedeutete, dass 315 Fertigteilplatten geschaffen werden mussten, die eine Größe von bis zu 2,7 x 9,0 m haben und von denen viele mit einer Geometrie versehen sind, die sich auf keiner anderen Platte wiederholt. Zudem wurde das Team des Fertigteilwerks vor die Herausforderung gestellt, die Platten mit drei unterschiedlichen Relief-Arten herzustellen, die an manchen Stellen bis zu 13,5 cm hoch sind. Zusammen mit der notwendigen Betonüberdeckung des Bewehrungsstahls hätte das eine Plattendicke von ca. 7-10 cm und für die erforderliche Verankerungstiefe der Fassadenbefestigung eine noch höhere Plattenstärke zur Folge gehabt. Gleichzeitig war allerdings vorgegeben, dass das Gewicht der Fassade möglichst gering sein sollte.

Die Fassadenplatten sollten so wenig Gewicht wie möglich in das Gebäude einbringen. Um hier Risse zu vermeiden, wurde ein Glasfasergitter von solidian eingebaut. Bildquelle: Roland Halbe
Die Fassadenplatten sollten so wenig Gewicht wie möglich in das Gebäude einbringen. Um hier Risse zu vermeiden, wurde ein Glasfasergitter von solidian eingebaut. Bildquelle: Roland Halbe

Spezieller Aufbau

Deshalb entschieden sich die Mitarbeitenden des Planungsbüros Sobek für einen dreiteiligen Aufbau der Fassadenfertigteilelemente. Der setzte sich wie folgt zusammen: erstens dem Relief, zweitens einer 3 cm starke (Basis-/Umverteilungs-) Platte für das Relief und drittens den Stegen und Aufdickungen, in die die Fassadenaufhängung integriert ist. Diese sollten darüber hinaus der Platte zusätzliche Stabilität verleihen. Ferner sahen die Ingenieure zwei unterschiedliche Betonrezepturen innerhalb eines Elements vor. Die ersten beiden Teile wurden mit Leichtbeton gefertigt und bei den Stegen kam Normalbeton zum Einsatz. Eine ungewöhnliche Kombination, die jedoch mehrere Vorteile hatte: Denn angesichts der schwarzen Beschichtung der Fassadenelemente war abzusehen, dass sich diese unter Wärmeeinwirkung ausdehnen. Doch dank der beiden Betonrezepturen konnte die Wärmedehnzahl reduziert und gleichzeitig die Zugfestigkeit der Elemente erhöht werden.

Die statische Berechnung und die Fertigung solcher Eckelemente sind immer eine große Herausforderung. Beispielsweise muss die unterschiedliche Längenänderung bei gewissen Sonnenständen berücksichtigt werden. Bildquelle: Roland Halbe
Die statische Berechnung und die Fertigung solcher Eckelemente sind immer eine große Herausforderung. Beispielsweise muss die unterschiedliche Längenänderung bei gewissen Sonnenständen berücksichtigt werden. Bildquelle: Roland Halbe

Stahlarmierung plus Glasfasergewebe

Und auch bei der Bewehrung der Fassadenelemente gab es Unterschiede: Während die Stege und teilweise das Relief mit einer normalen Bewehrung versehen waren, erhielten die Platten zusätzlich eine textile: das solidian GRID. Hierbei handelt es sich um ein Gittergewebe aus epoxidharzimprägnierten Glasfasern. Es hat den Vorteil, dass es nicht korrodiert, eine bis zu 2-mal höhere Zugfestigkeit (charakteristische Zugfestigkeit > 1.100 N/mm²) als klassische Stahlmatten hat und extrem leicht ist.

Neben den Fassadenplatten war auch der 3 bis 6 m große Rücksprung eine Herausforderung für die Mitarbeiter des Büros Sobek. Bildquelle: Roland HalbeNeben den Fassadenplatten war auch der 3 bis 6 m große Rücksprung eine Herausforderung für die Mitarbeiter des Büros Sobek. Bildquelle: Roland Halbe


Der Hersteller hat sich auf die Fertigung nicht metallischer Bewehrung spezialisiert, wobei er seinen Kunden auch in der Planungsphase zur Seite steht. Er bietet das solidian GRID in der Standardabmessung von 6,0 x 2,30 m an – wobei auf Anfrage auch andere Abmessungen und dreidimensional geformte Elemente geliefert werden. Beim Montblanc-Haus wurde es eingesetzt, um die Rissbreite zu begrenzen und so die Möglichkeit zu schaffen, die 3 cm Platten ohne Stahlbewehrung bzw. überhaupt auszuführen. (Der statische Nachweis erfolgte anhand einer unbewehrten Betonplatte) So konnte das Gewicht der Fassadenplatten zusätzlich – unter Einhaltung der üblichen Regeln der Technik – möglichst dünn und leicht gehalten werden.

Nachts, wenn die Fassade beleuchtet ist, wirkt sie noch spektakulärer. Bildquelle: Daniel Schäfer
Nachts, wenn die Fassade beleuchtet ist, wirkt sie noch spektakulärer. Bildquelle: Daniel Schäfer

Große Eröffnung

Im Jahr 2022 wurde das Montblanc-Haus samt Meetingräumen, Schreib-Ateliers, dem Markenarchiv, einer Boutique und einem Café eröffnet. Alle Baubeteiligten loben die interdisziplinäre Zusammenarbeit, die dazu beigetragen hat, die Aufgabe gut und zügig zu lösen. Nun können die Besucher nicht nur im Gebäude, sondern schon vor dem davor eine beeindruckende Architektur genießen. Zur Einweihung des Objektes waren rund 300 Gäste aus Politik, Kunst und Kultur eingeladen.

www.solidian.com


Die ins Auge fallende Dachkonstruktion greift das Thema der lebendigen Dachlandschaft des Bestandsgebäudes auf und setzt sie auf eine ganz eigene Weise um. Foto: Studio Jil Bentz

Projekte (d)

Solarfassade des neuen Verwaltungsgebäudes der Stadtwerke Gronau. Bildquelle: Mario Brand Werbefotografie

Fassade

In Beelen ließ sich Oliver Spiekermann unter anderem von münsterländer Höfen inspirieren, wie er im Video erzählt. Foto: Architekten Spiekermann / KS-Original

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Die 2800 m² große Fassade des Montblanc-Besucherzentrums ist mit einem geschichteten Relief ausgebildet, das hinterleuchtet ist und in den dunklen Stunden der Gebäudehülle ein noch spektakuläreres Erscheinungsbild verleiht. Bildquelle: Roland Halbe

Hochbau

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