22
Okt

Schalloptimierte Entwässerung

In den Aufprallzonen des Abwassers helfen zusätzliche Schallschutzrippen, die Geräuschentwicklung zu reduzieren. Bildquelle: Geberit

Fachartikel

 

Musik wird oft nicht schön gefunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden, hat Wilhelm Busch gewusst.

Wenn wir bereits auf musikalische Lautäußerungen kritisch reagieren, kann man sich vorstellen, wie ungnädig wir auf störenden und unmelodischen Lärm reagieren. Unwillkommen ist jeder Laut, dessen Entstehung uns überrascht und dessen Lautstärke und Auswirkungen wir nicht beeinflussen können. Lärm ist ungesund! Nicht nur deshalb müssen Planer bereits im Entwurf an einen wirksamen Schallschutz denken. Ist das neue Gebäude bereits erstellt, ist es nur noch schwer möglich, wirksame Gegenmaßnahmen zu treffen.

Die DIN 4109 ist das maßgebliche Regelwerk zum Schutz von Bewohnern und Nutzern von Gebäuden vor übermäßigen Lärm, sie formuliert auch Grenzwerte für Geräusche aus Sanitär- und Wasserinstallationen. Die DIN 4109 legt lediglich Mindestanforderungen fest, mit dem Ziel Menschen in Gebäuden vor gesundheitlichen Beeinträchtigungen und unzumutbaren Belästigungen durch Schallübertragung zu schützen. Für Wasserinstallationen betragen die maximal zulässigen Schalldruckpegel in fremden schutzbedürftigen Wohn- und Schlafräumen 30 dB(A).

Das Thema ist komplex: Zur akustischen Bewertung einer Sanitärinstallation müssen sämtliche geräuschverursachenden Einflussgrößen berücksichtigt werden, denn das Geräuschverhalten von Entwässerungsinstallationen hat einen nennenswerten Einfluss auf den Gesamtschalldruckpegel.
Aus akustischer Sicht ist die Entwässerung eines Gebäudes eines der kritischsten Themen in Neubau und Sanierung. Schwächen im System lassen sich erst spät erkennen. Erst das aktive Bewohnen oder Nutzen eines neuen Gebäudes lässt bauakustische Fehler klar zutage treten.

Das Abwasser-Stecksystem Geberit Silent-PP besteht aus robusten mineralstoffverstärkten Dreischichtrohren. Bildquelle: Geberit
Das Abwasser-Stecksystem Geberit Silent-PP besteht aus robusten mineralstoffverstärkten Dreischichtrohren. Bildquelle: Geberit

Körper- und Luftschall vermeiden

Bei Entwässerungsleitungen spielt sowohl die Körperschall- wie auch die Luftschallübertragung eine Rolle. Zur Vermeidung der Körperschallübertragung muss während der Baumaßnahme darauf geachtet werden, dass keine Körperschallbrücken zum Baukörper entstehen. Wand- und Deckendurchführungen sind durch geeignete Maßnahmen vom Baukörper zu entkoppeln. Es ist während der Montage und Installation auf eine sorgfältige Ausführung durch die beauftragten Handwerker zu achten. Auch der Einfluss einer Sanitärinstallation nachfolgender Gewerke muss in der Werkplanung berücksichtigt werden.

Eine Grundvoraussetzung zur Erfüllung normativer schallschutztechnischer Anforderungen ist die Einhaltung der Verlege- und Bemessungsvorschriften nach DIN EN 12056 in Verbindung mit der DIN 1986-100. Die vorgenannten entwässerungstechnischen Vorgaben sind sowohl strömungstechnisch als auch teilweise akustisch begründet. Es gibt auf dem Markt verschiedene, als zuverlässig bekannte Systeme, die ihre Eignung in zahlreichen Praxiseinsätzen bewiesen haben.

Unterscheidung von Geräuschen und deren Ursachen im Entwässerungssystem

In der Gebäudeentwässerung unterscheidet man zwischen Fall-, Aufprall- und Fließgeräuschen

• Fallgeräusche sind Luft- und Körperschallgeräusche und werden durch das in einer Rohrleitung vertikal nach unten fallende Abwasser und die darin enthaltenen „Stoffe“ verursacht.
• Aufprallgeräusche entstehen bei Richtungsänderungen der Rohrleitungen. Die Fallenergie wird dabei in Schallenergie umgewandelt. Dabei geht Geschwindigkeit verloren. Das Wasser fließt nach dem Aufprall deutlich langsamer.
• Fließgeräusche entstehen durch das Fließen des Wassers in horizontal verlegten Rohrleitungen. Das Wasser fließt in der Rohrleitungssohle und wird u.a. durch Richtungsänderungen in seiner ruhigen Strömung gestört.

Generell regt Abwasser eine Rohrleitung zum „Schwingen“ an und erzeugt damit einen Geräuschpegel.

schalloptimierte entwaesserung az03

Leitungsführung in Gebäuden und Schächten

Bereits in der Planung sind Schächte oder Vorwandinstallationen vorrausschauend zu dimensionieren. Was im Detailplan als ausreichend angesehen wird, kann sich auf der Baustelle aus nicht vorhersehbaren Umständen als nicht realisierbar herausstellen. Bögen, Abzweigungen und Richtungsänderungen bei Entwässerungsleitungen benötigen viel Platz.

Der komplette Ersatz gemauerter Vorwandinstallationen hat sich bewährt: Mit dem Geberit Installationssystem GIS kann auf gemauerte Vorwandinstallationen konsequent verzichtet werden. Im Gegensatz zu gemauerten Vorwandinstallationen bietet Geberit GIS mehr Platz für die Integration von Abwasser- und Trinkwasserleitungen. Der Abstand von Rohrleitungen zum massiven Baukörper muss sichergestellt werden, so dass keine Körperschallbrücken, z. B. durch Mörtelreste oder unbeabsichtigte direkte Verbindungen zum Mauerstein oder zur Betondecke, entstehen können. Selbst kleinste Schallbrücken dürfen nicht unterschätzt werden, denn diese können die Wirksamkeit einer aufwändig installierten Schalldämmung von Rohrleitungen aufheben. Werden Rohrleitungen ohne Entkopplung direkt am Baukörper befestigt, wird der Körperschall auf diesen übertragen und als störender Luftschall verteilt.

Üblicher Geräuschpegel in Innen- und Außenräumen. Für Abwasseranlagen betragen die maximal zulässigen Schalldruckpegel laut DIN 4109 in fremden schutzbedürftigen Wohn- und Schlafräumen 30 dB(A). Bildquelle: Geberit
Üblicher Geräuschpegel in Innen- und Außenräumen. Für Abwasseranlagen betragen die maximal zulässigen Schalldruckpegel laut DIN 4109 in fremden schutzbedürftigen Wohn- und Schlafräumen 30 dB(A). Bildquelle: Geberit


Wand- und Deckendurchführungen sind mit einem Dämmschlauch oder zum Beispiel mit der Schalldämmmatte Geberit Isol Flex vom Baukörper zu entkoppeln. Die Bauleitung hat auf eine sorgfältige Ausführung während der Montage zu achten.

Auch wenn die Hydraulik fließender Medien eine eigene Ingenieursdisziplin ist, kann man im Bauwesen auf ausreichend gesicherte Erfahrung zurückgreifen. Der Planer muss wissen, dass Schallreflexionen im Innern von Installationsschächten Fließgeräusche verstärken können. Laut Untersuchungen ist unter Umständen mit einer Schallpegelerhöhung von mehr als 10 dB(A) zu rechnen. Durch Anbringen schallabsorbierender Auskleidungen wird die Schallabsorption erhöht und die Schallreflexion vermindert.

Rohrleitungssysteme als praxiserprobte Lösungen

Mit Rohrleitungssystemen, in die eine Schalldämmung bereits „eingebaut“ ist, lassen sich Schallschutzanforderungen sicher und zuverlässig erfüllen. Das Geberit Abwasser-Stecksystem Silent-PP ist für eine schnelle und schalloptimierte Installation von Entwässerungssystemen im Einfamilienhaus und im mehrgeschossigen Wohnungsbau geeignet.

In der Systemlösung Geberit Silent-db20 ist durch die Verwendung des mineralverstärkten Kunststoffs PE-S2 die Schalldämmung bereits integriert. PE-S2 erhöht das Gewicht der Rohre und Formstücke und reduziert dadurch die bereits erwähnten Eigenschwingungen. Das System ist zudem hydraulisch optimiert, der Schall wird folglich wirksam gedämmt.

Vorwandinstallationen und Trennwände

Zur Vermeidung von Körperschall müssen Rohrleitungen mit fließenden Medien entkoppelt werden. Dafür braucht der Installateur viel Platz. Die jahrzehntelang praktizierte, konventionelle Schlitzmontage entspricht weitgehend nicht mehr den anerkannten Regeln der Technik und kann zu Verstößen gegen öffentlich-rechtliche und werkvertragliche Anforderungen führen. Im gemauerten Massivbau sollte auf horizontale Wandschlitze generell, auf vertikale Wandschlitze weitgehend verzichtet werden.

Die in DIN EN 1996-1-1:2012-05 empfohlenen Werte für Schlitze ohne statischen Nachweis lassen in der Regel weder Schlitze und Aussparungen für horizontale wie auch vertikale Leitungen in statisch belasteten Wänden noch in statisch unbelasteten Wänden (Eigenstandsicherheit) zu.

Eine erprobte Lösung sind in Trockenbauweise oder in industrieller Vorfertigung erstellte Vorwandinstallationen, die heute als allgemeingültiger Standard gelten. Von einer Rohrführung in massiv betonierten oder gemauerten Wänden sollten Architekt und Installateur Abstand nehmen. Die leichtfertige Annahme, für „das bisschen Rohrleitung“ sei immer noch genug Platz, kann erhebliche Auswirkungen haben.

Das Abwasser-Stecksystem Geberit Silent-PP besteht aus robusten mineralstoffverstärkten Dreischichtrohren. Bildquelle: Geberit
Das Abwasser-Stecksystem Geberit Silent-PP besteht aus robusten mineralstoffverstärkten Dreischichtrohren. Bildquelle: Geberit


 

Vielerorts werden Vormauerungen noch als Massivbauteile ausgeführt. Der Grund ist schlicht, dass man das gesonderte Gewerk Trockenbau auf der Baustelle und bei der Ausschreibung vermeiden möchte. Im Hinblick auf den Schallschutz ist diese Bauweise jedoch nicht zu empfehlen, da ein direkter Kontakt von Montageelement und Vorwand bestehen muss, um alle Kräfte abzuleiten. Dadurch ist eine Übertragung des Körperschalls in der Regel unvermeidbar.

Ausführungssicher sind Trockenbauwände, bestehend aus einer Ständerkonstruktion, in welche Montageelemente befestigt und meist mit Gipskartonplatten beplankt werden. Um in diesem Gewerk die Anforderungen hinsichtlich des Schallschutzes erfüllen zu können, müssen alle beteiligten Handwerker sehr genau arbeiten. Die unvermeidlichen Schnittstellen der verschiedenen Gewerke sind von der Bauleitung verantwortlich zu koordinieren.

Die Anforderungen an eine Vorwandinstallation hinsichtlich des Schallschutzes können sehr viel zuverlässiger erfüllt werden, wenn die gesamte Vorwandinstallation inklusive Beplankung und Oberflächenvorbereitung durch den Installateur errichtet wird. Bereits in einem früheren Artikel berichteten wir über die Vorteile des Systems Geberit GIS (Geberit-Installations-System)

Neben der Möglichkeit Sanitärinstallationen in einer Vorwandinstallation unterzubringen, können diese auch in einer Trennwand aus Trockenbauelementen installiert werden. Auch bei der Montage von Trennwänden besteht die Möglichkeit auf Komplettsysteme, wie Geberit GIS und Geberit Duofix System, zurückzugreifen. 

Abnahme

Die Bauabnahme ist die finale Bestätigung der Leistungserbringung durch den Auftraggeber. Die rechtliche Grundlage für eine Abnahme ist der § 12 VOB, Teil B, der auf § 640 BGB basiert.

Die Abnahme gehört zu den Hauptpflichten des Auftraggebers und ist von großer Bedeutung, weil eine Vielzahl von Rechtsfolgen daran geknüpft ist, u.a.

- der Gefahrübergang auf den Auftraggeber
- die Umkehr der Beweislast, wonach der Auftraggeber nach der Abnahme beweisen müsste, dass die Bauleistung nicht mangelfrei und nicht vertragsgemäß war
- der Beginn der Fristen für Mängelansprüche.

Nach den „werkvertraglichen Voraussetzungen“ nach DIN 4109-1 hat der ausführende Installateur das Recht, eine Teilabnahme nach VOB-B § 12 im Werkvertrag zu vereinbaren.

Die Teilabnahme dient zur Absicherung des Ausführenden und Reduzierung der Folgekosten aufgrund rechtzeitig entdeckter Mängel. Dabei handelt es sich um eine echte Abnahme in sich abgeschlossener Teile der Leistung mit allen rechtlichen Folgen, wie z. B. dem Beginn der Frist für Mängelansprüche.
Wichtig: Sie ist zudem ein vorgezogenes Beweissicherungsverfahren für Bauteile, welche nach dem Verschluss von Wand- und Deckendurchführungen bzw. Verschluss von Installationskanälen und Vorwandinstallationen nicht mehr sichtbar sind. Spätere bauliche Korrekturen sind nur noch durch aufwändige Maßnahmen durchführbar.

Eine gute und aussagekräftige Fotodokumentation und ein gültiges Abnahmeprotokoll sind wesentliche Voraussetzungen für die spätere Beweismöglichkeit bei eventuellen Mängeln.

Ein detaillierter Blick lohnt sich: Sind die geplanten Körper- und Luftschalldämmmaßnahmen richtig umgesetzt? Wurden die Rohrleitungen richtig montiert? Sind Rohrleitungs- und Sanitärwandsysteme frei von unbeabsichtigten Körperschallbrücken zum Bauwerk? Wurden die Anforderungen an den Brandschutz eingehalten und richtig umgesetzt?

Fazit

Als Architekt und als Bauleiter sollte man bei der Planung und während der Ausführung von Gebäudeinstallationen und auch bei der Abnahme einer baulichen Leistung seine Aufgabe sehr gewissenhaft wahrnehmen. Es lohnt sich.


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